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Wir Menschen scheinen immer noch unschlagbar zu sein, wenn es darum geht, bekannte Gesichter wiederzuerkennen. Was aber merken wir uns an einem vertrauten Gesicht, um eine solche Leistung zu erreichen? Isabelle Bülthoff, Leiterin der Forschungsgruppe für Erkennen und Kategorisieren am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, hat das mit ihrem Team nun genauer untersucht.

Gesichter von wohlvertrauten Personen erkennen wir am besten. Innerhalb einer Familie verwechseln wir zum Beispiel Zwillinge nicht, obwohl sie starke Ähnlichkeiten haben können. Welche Merkmale aber lassen uns eine klare Unterscheidung treffen? Um akkurate Erkenntnisse darüber zu erhalten, welche Aspekte und Besonderheiten wir uns merken und im Gedächtnis ablegen, sind Untersuchungen mit persönlich bekannten Gesichtern unerlässlich.

Ein Versuch mit alten Bekannten

In ihrer Studie erstellte Isabelle Bülthoff zunächst 3D-Gesichtsscans von ihren Kolleginnen und Kollegen und veränderte diese dann graduell: Jedes dieser gescannten Gesichter wurde zunächst unabhängig vom Geschlecht der zugehörigen Person schrittweise weiblicher gemacht; zunächst um 10 Prozent, dann um 20 Prozent, bis hin um bis zu 50 Prozent. Dieselben Gesichtsscans wurden auch schrittweise männlicher gemacht, hier ebenfalls um bis zu 50 Prozent.

In einem zweiten Versuch gab Bülthoff auf ähnliche Weise kaukasischen und asiatischen Gesichtern schrittweise ein stärkeres asiatisches und umgekehrt ein deutlicheres kaukasisches Aussehen. „Wir baten dann einige Teammitglieder, sich die zehn Bildvariationen einer Kollegin beziehungsweise eines Kollegen zusammen mit dem Originalbild anzusehen und das für sie originale, unveränderte Gesicht zu bestimmen. Wie wir sahen, konnten die Abbildungen zwar schnell einzelnen Personen zugeordnet werden. Den Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmern fiel es allerdings sehr schwer, das tatsächliche Original korrekt zu identifizieren und zuzuordnen – unabhängig davon, welche Parameter wir verändert hatten.“

Der bekannte Unbekannte

In einer dritten Versuchsreihe wurden die Gesichter von bekannten Personen mit Gesichtern von Unbekannten vermischt. Auch hier ging das Team schrittweise vor: zunächst wurden 90 Prozent Bildanteil aus dem Original mit 10 Prozent Bildanteil des unbekannten Gesichts gemischt, dann im Verhältnis 80:20 bis hin zu einem Verhältnis von 50:50. Erneut wurden Personen aus dem Kollegenkreis gebeten, das „echte“ Gesicht aus der Reihe der verschiedenen Abbildungen zu identifizieren.

Im Vergleich zu den vorherigen Versuchsreihen fiel im dritten Versuchsabschnitt auf, dass es den Teilnehmenden weitaus leichter fiel, die unveränderten Gesichter innerhalb einer Bildreihe zu erkennen.
Anschließende Computeranalysen konnten ausschließen, dass die Abbildungsreihen der ersten beiden Tests einander ähnlicher waren als die im dritten. Objektiv betrachtet waren die Aufgaben aller drei Experimente somit gleich schwer.

Identitäten sind schnell geklärt

Welche Rückschlüsse lassen sich nun aus diesen Ergebnissen der Studie ziehen?
Menschen ordnen das Gesicht einer Person anhand von bestimmten äußeren Merkmalen zu, zum Beispiel anhand der Haut, der Form der Augen und Nase sowie daran, wie diese einzelnen Gesichtspartien zueinander stehen. „Diese persönlichen Eigenheiten, die jedes Gesicht aufweist, bezeichnet man als Idiosynkrasie“, erklärt Isabelle Bülthoff. „Diese Besonderheiten behalten wir sehr genau im Gedächtnis, wenn wir ein Gesicht gut kennen.“

Wir Menschen können nicht nur die Identität eines Gesichts rasch wiedererkennen, wir können jedes Gesicht auch eindeutig zuordnen, sei es als typisch männlich oder weiblich, als typisch asiatisch oder kaukasisch. Allerdings ist diese kategorisierende Information anscheinend nicht so exakt bei uns im Gedächtnis abgelegt wie die idiosynkratrische Information. Anders gesagt: Wir erinnern uns genauer an charakteristische Merkmale eines Gesichts als an ein exakt geschlechtsspezifisches oder ethnisches Erscheinungsbild.

Warum diese Unterscheidung? Die Wissenschaftlerin begründet das damit, dass im sozialen Leben diese zuordnende Information nicht so wichtig ist, um eine Person wiederzuerkennen. Beispielsweise genüge es in der Regel zu wissen, dass es sich um einen Mann oder um eine Frau handele. Wie männlich oder weiblich diese Person ist, sei eher unerheblich.

Eine weitere Hypothese ist, dass diese Art von Gesichtsveränderungen ähnlich wie Gesichtsausdrücke behandelt werden: Ein Gesicht sieht zwar je nach Mimik anders aus, Variationen werden aber nicht als Änderung der Identität wahrgenommen. Wir wissen sehr wohl, dass es sich um dieselbe Person handelt und letztlich ist es genau diese Toleranz, die eine konstante Wiedererkennung erst möglich macht.

Literatur:

Bülthoff, I., & Zhao, M. (2019). Personally familiar faces: Higher precision of memory for idiosyncratic than for categorical information. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition. Advance online publication. http://dx.doi.org/10.1037/xlm0000784


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